Jetzt effektiver recyceln:
Mit hilfreichen Entsorgungshinweisen!

Bild über Mülltrennung ohne Entsorgungshinweise

Verpackungen mit mehreren unterschiedlichen Bestandteilen werden oft nicht von der Sortieranlage erkannt und landen somit in der Verbrennungsanlage.

Entsorgungshinweise auf jeder Verpackung! Politische Forderungen für effizienteres Recycling

So gut wie alle Bürger*innen in Deutschland kennen die Mülltrennung. Laut offiziellen Statistiken ist Deutschland einer der Vorreiter in Sachen Recycling. Aber stimmt das auch? Ein ganz klares Nein! Das Verbrennen und Exportieren von Müll wird zum Beispiel in den Statistiken ebenfalls als „verwertet“ gezählt. Mit echtem Recycling oder Wiederverwendung hat diese Verwertung aber nicht viel zu tun. Sind auch wir Verbraucher*innen mit in der Verantwortung? Ein klares Ja! Verpackungen aus unseren Alltag bestehen oft aus einem Materialmix, der vor allem das Recycling von Kunststoff-Verpackungen erschwert. Klare Entsorgungshinweise nicht nur auf Elektro- und Elektronikgeräten („Altgeräte“), Batterien und Leuchtmitteln sondern auch auf jeder Verpackung und perspektivisch eine Recycling-Ampel wären hingegen wirksame Maßnahmen, um den Bürger*innen das korrekte Trennen näher zu bringen, Fehlwürfe bei der Mülltrennung zu minimieren und die Recyclingquote zu erhöhen.

1. Grüner Punkt benötigt Update

Der Grüne Punkt, der die Trennung von Leichtverpackungen in die Köpfe der Menschen gebracht hat, braucht dringend ein Update. Oder kennen Sie die dualen Systeme?

2. Mehr Aufklärungsarbeit

Es muss mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Verbraucher*innen müssen eindeutig wissen, wie Verpackungen des 21. Jahrhunderts richtig getrennt werden.

3. Verpflichtende Entsorgungshinweise

Trenn- beziehungsweise Entsorgungshinweise sollten sich auf allen Verpackung befinden, denn Materialienmixe können verklebt nicht recycelt werden.

4. Die Recycling-Ampel

Eine Ampel auf allen Verpackungen und Produkten, die anzeigt, wie aufwendig der Recycling-Prozess ist. Das Verbot von Einwegplastik ist nur ein Tropfen auf dem vermüllten Stein.

Fakten zur Recyclingquote

Die Erhebung der offiziellen Quote täuscht über das eigentliche Problem des hohen Aufkommens von Verpackungen hinweg. 2018 stieg die Anzahl des Verpackungsabfalls um 0,7% zum Vorjahr und erreichte einen neuen Höchststand. Rein rechnerisch entspricht das etwa 227,5 Kilogramm pro Kopf an Verpackungsmüll.

Es gibt eine staatliche Vorgabe, die aus dem Verpackungsgesetz hervorgeht. Z.B. wurde laut VerpackG im Jahr 2019 eine werkstoffliche Verwertungsquote der lizensierten Verpackungen aus Kunststoff von 58,5% gefordert. Diese wurde von den Dualen Systemen zu exakt 58,5% erfüllt. Quoten von Unternehmen außerhalb der Dualen Systeme werden nicht berücksichtigt. Als Grundlage gilt also die Menge der lizensierten Verpackungen aus Kunststoff die innerhalb der Dualen Systeme in den gelben Tonnen und Säcken gesammelt werden und für das Recycling bestimmt sind. Die Erhebung findet direkt nach der Sortierung statt. Hierbei wird von einer „inputorientierten“ Recyclingquote gesprochen. Eine „outputorientierte“ Recyclingquote orientiert sich dagegen an der Menge des tatsächlich hergestellten bzw. gewonnen Stoffes wie z.B. Rezyklat, welches für die Herstellung von neuen Produkten verwendet wird. Ein echter Kreislauf bedeutet, dass wiederaufbereitetes Material Anwendung in neuen Produkten findet.

Als Duale Systeme werden kommunale und private Ensorger bezeichnet, die die Entsorgung von Verpackungen organisieren. Dazu zählt das Einsammeln, Sortieren und Verwerten. Die Dualen Systeme sollen die laut Verpackungsgesetz (VerpackG) geltenden Verwertungsquoten der jeweiligen Materialien erfüllen.

Für die Unternehmen gilt die Systembeteiligungspflicht oder auch Lizenzierungspflicht. Für in den Verkehr gebrachte Verpackungen wird eine Lizenzgebühr erhoben. Die jeweiligen Unternehmen werden über eine Datenbank registriert. Ziel ist es die Unternehmen für die Entsorgungskosten in die Pflicht zu nehmen. Leider gibt es vereinzelt Versuche, diese Gebühren zu umgehen.

Neben den von Verbraucher*innen produzierten Kunststoffabfällen zählen auch sonstige Kunststoffabfälle aus Industrie und Gewerbe zu den Post-Consumer-Abfällen. Es wird nicht extra in lizensierte Verpackungen und andere Abfälle unterschieden. 2019 fielen in der Bundesrepublik laut Erhebung des Umweltbundesamtes 6,28 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. 5,20 Millionen Tonnen davon war Post-Consumer Abfälle, von denen wiederum 1,1 Millionen Tonnen bei den Dualen Systemen registriert sind – nur bei diesen können Verbraucher*innen auf die Sortierung Einfluss nehmen. 

Man unterscheidet werkstoffliche, rohstoffliche und energetische Verwertung. Die werk- und rohstoffliche Verwertung fällt mit in den Begriff „Recycling“. Beides findet Anwendung für die Gewinnung neuer Kunststoffe. Bei energetischer Verwertung handelt es sich um Verbrennung. Hierbei wird der Energiegehalt des Abfalls genutzt.

Recycling ist der Vorstellung eines wirklichen Kreislaufs am nächsten. „Werkstoffliches Recycling“ bedeutet die Aufbereitung alter Kunststoffe zu Rezyklaten etc. Von „rohstofflichem Recycling“ wird bei der Gewinnung von Grundstoffen gesprochen. Beides findet Anwendung bei der Herstellung neuer Kunststoffe. Eine „energetische“ Nutzung von Abfall zählt nicht als Recycling.

„Inputorientiert“ bezeichnet die Menge an Materialien, die nach der Sortierung durch die Anlagen für das Recycling vorgesehen sind. „Outputorientiert“ bedeutet dagegen die Menge an Material, aus dem neues Material z.B. für Produkte gewonnen werden konnte. Bildlich entspricht dies eher einem Kreislauf.

In die gelbe Tonne bzw. den gelben Sack gehören alle bei den Dualen Systemen lizensierten Verpackungen. In die Wertstofftonne gehören diese Verpackungen nicht. Dort werden, je nach Wohnort, stoffgleiche Materialien, Geräte, Töpfe etc. gesammelt.

Die Gründe für schlechtere Recyclingfähigkeit bei Kunststoffverpackungen sind vielfältig, wie in der rechten Grafik zu sehen ist.
Verwirrend wird es zum Beispiel bei einigen nicht lizensierten Verpackungen. Beispiel Kaffeekapseln: Manche sind lizensiert und manche nicht, weil sie einfach nicht jeder Hersteller lizensieren lässt.  Um zu wissen, in welche Tonne eine Kapsel gehört, müsste man theoretisch direkt beim Hersteller nachfragen. Nur wenn sie lizensiert wurde, darf eine Kapsel in die gelbe Tonne, was aber häufig nicht klar ersichtlich ist. Deswegen werden oft auch nicht lizensierte Verpackungen in der gelben Tonne geworfen, die dort streng genommen nicht hinein gehören.

Auch, was eigentlich als Verpackung gilt, kann verwirrend sein: Kleiderbügel, die mit einem Kleidungsstück gekauft wurden, gelten als Verpackung. Einzeln gekaufte Kleiderbügel gelten nicht als Verpackung. Solche Regelungen sind extrem verbraucher-unfreundlich und schlecht für die Recyclingquote.

Nebenbei: Die „outpuorientierte“ Recyclingquote aller deutschen Post-Consumer Abfälle aus Kunststoff, das heißt alle Kunststoff-Abfälle, inklusive Abfällen aus Industrie und Gewerbe, lag 2017 laut Conversio bei ca. 17% . Dies zeigt im Vergleich zu den häufiger genannten offiziellen und deutlich höheren Quoten noch deutlicher das Ausmaß des Plastik-Problems .

Darüber hinaus zeigen aktuelle Studien, dass die Deutschen beim korrekten Kunststoffrecycling deutlichen Nachholbedarf haben: In einer repräsentativen Umfrage gaben ca. 67,2 Prozent an, dass sie ihren Hausmüll korrekt trennen würden. Das macht eine Quote von 32,8 Prozent, die ihren Hausmüll schon nach eigener Aussage nicht korrekt trennen! In den Sortieranlagen für die Gelbe Tonne wird knapp ein Drittel des Mülls als Fehlwurf deklariert. Das bedeutet, dass Müll in die falsche Tonne einsortiert wird, was ein effizientes Recycling enorm erschwert und die Recyclingquote verringert.
Deutschland ist zudem beim Export von Müll ganz vorn dabei. Ja, auch unser Müll landet im Meer! Auch darum muss Deutschland auf politischer Ebene aktiv werden. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung wären die von uns vorgeschlagenen, gesetzlich verbindlichen Entsorgungshinweise auf Verpackungen jeglicher Art.

Nebenbei: Öffentliche Mülltonnen sind eine Recyclingsünde. Der Inhalt wird wie bei der Schwarzen Tonne keinem Recycling zugeführt. So zum Beispiel an Tankstellen, neben Parkbänken und in öffentlichen Gebäuden.

Eigenheimbesitzer haben ebenfalls ein finanzielles Nachsehen, wenn auf die Schwarze Tonne verzichtet wird: Die Schwarze Tonne muss meistens sowieso bezahlt werden. Somit ist klar, dass Hausbesitzer die Schwarze Tonne eher befüllen, als alle Bestandteile zu recyceln.

Bild mit Gründen für die Plastikflut

Exkurs: Warum ist Plastik so schlecht für die Umwelt?

Seit 1907 erleichtert uns der Kunststoff das alltägliche Leben. Doch die meisten Plastikarten sind nicht biologisch abbaubar, zerfallen nur sehr langsam und gelangen in großen Mengen in die Umwelt, wo sie Schäden anrichten. Besonders die Meere leiden unter der hohen Verschmutzung von Plastiktüten und anderen Kunststoffabfällen. Meeresbewohner verwechseln Plastikteile mit Nahrung und verschlucken diese. Neben der Verunreinigung der Umwelt liefert die Plastikindustrie auch einen bedeutenden Beitrag zum Anstieg der Treibhausgase, da diese in jeder Phase des Plastik-Lebenszyklus ausgestoßen werden – bei der Herstellung, Verarbeitung sowie Entsorgung. 2015 wurde durch die Plastikindustrie soviel CO2 freigesetzt wie durch Energieversorgung und Landwirtschaft der gesamten EU zusammen.

Darüber hinaus legen Studien nahe, dass Plastik gesundheitsgefährdend ist. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein und den Hormonspiegel zu beeinflussen. Es kann zu Unfruchtbarkeit, Fettleibigkeit, Diabetes und weiteren Erkrankungen führen. Zudem wird Kunststoff mit weiteren schädlichen Zusatzstoffen angereichert, die sich mit der Zeit lösen und sich in der Umwelt und im menschlichen Körper anhäufen. Zwischen 1950 und 2015 wurden weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert. Recycelt wurden davon gerade einmal 9 Prozent. Heutzutage ist Mikroplastik (kleinste Plastikteile) überall auf unserem Planeten zu finden.  Es wurde in den Tiefen der Meere entdeckt, in Nationalparks und sogar im menschlichen Körper – und das kann nicht gesund sein!

Bild der Abfallpyramide
Generell sollte so viel Müll wie möglich vermieden werden.

Müllverbrennung: Ein lukratives Geschäft. Aus Müll wird Energie gewonnen und gilt daher als „energetisch verwertet“. Die Ressourcen an sich gehen dabei aber verloren. Energie ist schön und gut, aber es existiert faktisch kein Kreislauf. Viele Abfälle, die recycelt oder wiederverwendet werden könnten, finden ihren Weg in die Verbrennungsanlagen.
Außerdem kommen sogenannte Ersatzbrennstoffe (EBS) meistens in Zement-, Kalk- und Braunkohle-Kraftwerken sowie Heizkraftwerken zum Einsatz. Ziel ist es, fossile Brennstoffe (Öl, Kohle, Gas) zu ersetzen. Aus diesem Zusammenhang heraus wird die Verbrennung von den Unternehmen als umweltschonend präsentiert. Gewonnen werden die Ersatzbrennstoffe aus verschiedenen Abfällen: Gewerbe- und Industrieabfälle (z.B. Kunststoffverarbeitung), Müllimporte, Sperrmüll, Klärschlämme, Hausrestmüll und nicht-recycelbaren Materialien aus den Dualen Systemen. In der Praxis werden alle Arten von Müll aus der ganzen Welt mit „verwertet“.
Zementwerke bekommen zum Beispiel von Entsorgungsbetrieben Geld, damit sie Abfall als Ersatzbrennstoffe einsetzen. Gleichzeitig nutzt die Zementindustrie diesen Vorgang als Werbung bzw. „Greenwashing“ für sich selbst und präsentiert ihn als Dienst an der Umwelt. Die Gewinne, die erwirtschaftet werden und was mit diesen passiert bleibt dabei völlig unklar.

Bild einer Müllverbrennungsanlage
Alle möglichen Abfallarten werden in Müllerverbrennungsanlagen verbrannt.
Bilder zeigen die Umweltverschmutzung durch Plastik

40% der produzierten Plastikprodukte sind bereits nach einem Monat Abfall und müssen wieder entsorgt werden – ein riesige Verschwendung!

1. Update Grüner Punkt: Entsorgungshinweise nicht mehr aktuell

1990 eingeführt hat der Grüne Punkt dazu beigetragen, dass die Gelbe Tonne sowie das Recycling von Plastik in den Alltag eingekehrt ist. Umfragen zufolge kennen ihn 95% der Deutschen. Der Grüne Punkt wurde durch viele Werbekampagnen beworben. Folgendes Video zeigt, wie es eigentlich sein sollte. Weiter unten sehen Sie dann, wie es in Wirklichkeit aussieht.

Aufgedruckt wurde der Grüne Punkt auf Verpackungen, wenn der Hersteller am dualen Recyclingsystem teilgenommen und für die Verpackungsverwertung und –sammlung vorab Zahlungen geleistet hat.

Das Symbol vom Grünen Punkt ist nicht mehr auf allen Verpackungen zu finden. Seit 2009 besteht keine Kennzeichnungspflicht mehr, da nunmehr alle Verpackungen in die gelbe Tonne bzw. den gelben Sack gehören. Es besteht die sogenannte Systembeteiligungspflicht, nach der für jede Verpackung Lizenzgebühren entrichtet werden müssen. Die Lizenzgebühren für Verpackungen sind im Verkaufspreis enthalten. Weiterhin gibt der Grüne Punkt keine Auskunft darüber, wie gut die Verpackung zu recyclen ist.
Auch wenn man sich derzeit mit Webseiten, wie www.muelltrennung-wirkt.de bemüht zu informieren, helfen nur Trenn- bzw. Entsorgungshinweise direkt auf den Verpackungen dem Konsumenten, die Materialien individuell korrekt zu entsorgen. Problematische Verpackungen gelangen sonst nicht in den Materialkreislauf, sondern in Müllverbrennungsanlagen oder gelangen als Müllexport in andere Länder.

Das Problem:

Vor allem Produkte und Verpackungen des täglichen Gebrauchs bestehen heute aus verschiedensten Kunststoffverbindungen, die unterschiedlich recycelt werden müssen. Für Sortieranlagen sind sortenreine Materialien unerlässlich.

2. Leichtverpackungen aus verschiedenen Materialien: Trennung der Produktbestandteile häufig unbekannt

Entscheidend für das Recycling ist das Material des Produktes. Verpackungstechniker*innen setzen auf die Kombination von unterschiedlichen Plastikarten oder ersetzen Plastik mit anderen Rohstoffen wie Papier, um ein besseres Recycling zu erreichen.

In Deutschland wird zwischen 7 verschiedenen Recyclingcodes unterschieden, wie wir bereits in einem weiterführenden Artikel über Plastikmüll berichtet haben. Je nach Material kann das Produkt entweder sehr gut (PET-1) oder sehr schlecht (O-7) recycelt werden. Im Verpackungsbereich spielen überwiegend diese vier Kunststoffarten eine Rolle: PET (1), Polyethylen (4), Polypropylen (5) und Polystyrol (6).
Auf jeden Fall müssen die von der Industrie verwendeten Materialien vorab voneinander getrennt werden. Auf das Problem der verschiedenen Verpackungsmaterialien wird im Video ab Minute 3:30 eingegangen:

Die Wirklichkeit im Recyclinghof

Wenn nun der Deckel eines Produktes aus einem anderen Material als die Hauptverpackung besteht, kann ein eigentlich gut zu recycelndes Plastik aufgrund des anderen Materials nicht wiederverwertet werden. Die Trennung einzelner Verpackungsbestandteile ist unabdingbar geworden und muss dementsprechend kommuniziert werden.

Exkurs: Der Müllberg an Kunststoffabfällen ist weitaus größer:
Leichtverpackungen sind nur ein Teilproblem und die Spitze des Eisberges. Gemäß der Erhebung des Umweltbundesamtes von 2019 fielen in Deutschland 6,28 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Davon waren 5,20 Millionen Tonnen Post-Consumer Abfälle, was auch Abfälle aus Gewerbe und Industrie einschließt. (Die tatsächliche Recyclingquote für Post-Consumer Kunststoffabfälle wird laut Plastikatlas der Heinrich Böll Stiftung auf lediglich 15,6 Prozent geschätzt.)

1,1 Millionen Tonnen entspricht der Menge an Kunststoffverpackungen, die bei den Dualen Systemen registriert sind. Nur im Rahmen von diesem vergleichsweise kleinen Anteil können Verbraucher Einfluss auf das Plastikproblem nehmen. Die Verantwortung liegt also nicht ausschließlich bei uns, sondern auch bei den kunststoffverarbeitenden Unternehmen. Daher müssen auch bei Verarbeitung und Herstellung klare Regeln und Kontrollen gelten, um die Massen an Kunststoff effektiv in den Griff bekommen zu können.

Als Verbraucher*innen können wir auf das Plastikrecycling dementsprechend vor allem im Bereich der Leichtverpackungen Einfluss nehmen. Wenigstens dieses Teilstück können wir gemeinsam angehen und somit bei einer höheren Recyclingquote behilflich sein.

Bild von einem Diagramm Post-Consumer-Kunststoffabfälle

Lösung des Problems:

Visuell sind die unterschiedlichen Plastikcodes manchmal besser, manchmal schwieriger auseinanderzuhalten. Die Trennung der einzelnen Bestandteile einfacher Verpackungen, wie Deckel und Hauptverpackung, ist fast gänzlich unbekannt. Die zusätzliche Verwendung von Verpackungen, die durch andere Stoffe ummantelt sind, erweitert die Verantwortung beim Sortierungsprozess. Die Verbraucher*innen müssen in vielen Fällen Papier von Plastik trennen oder bewusst die unterschiedlichen Verpackungsbestandteile voneinander entfernen, damit ein vollständiges Recycling möglich ist.

Es muss mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Verbraucher*innen müssen eindeutig wissen, wie Verpackungen des 21. Jahrhunderts richtig getrennt werden.

3. Sofortige Lösung für mehr Recycling: Verpflichtende Entsorgungshinweise auf allen Verpackungen!

Da die Komplexität der Verpackungen weiter zunehmen wird, Verbundstoffe verschiedenster Art zum Einsatz kommen und es zu viele Produkte gibt, die eine ungenaue Vorschrift wie den Grünen Punkt zulassen, ist es notwendig, dass die Verbraucher*innen korrekt und transparent über das Recycling jedes Bestandteils eines Artikels informiert sind. So kann die Quote der Fehlwürfe bei der Mülltrennung minimiert und die Recyclingquote erhöht werden.

Die entsprechenden Recyclingcodes werden bereits auf Verpackungen abgedruckt. Verbraucher*innen können mit diesem Hinweis aber nur wenig anfangen, da unzureichend über die Trennung einzelner Bestandteile informiert wird.

Das Verpackungsgesetz sieht für 2022 eine Erhöhung der Recyclingquote von Kunststoffverpackungen auf 63 Prozent vor. Aldi oder Edeka nehmen diese Forderung ernst und sehen Trennungshinweise auf den Verpackungen als eine gute Methode, um die Recyclingquote zu erhöhen. Beide Unternehmen drucken bereits seit einiger Zeit unter dem Label „Trennen für die Umwelt“ Entsorgungshinweise auf die Produkte ihrer Eigenmarken. Auch Lidl und Kaufland ziehen nach und werden in Kürze Trennhinweise auf Verpackungen ihrer Eigenmarken einführen.

Entsorgungshinweise Veranschaulichung
Beispiele für vorbildliche Trenn- bzw. Entsorgungshinweise: Links eine Süßigkeitenverpackung, in der Mitte ein Milchkarton, rechts ein Joghurtbecher.

Nicht nur diese freiwilligen Initiativen zeigen, dass es eine Notwendigkeit für eine Entsorgungshinweispflicht gibt: Auf vielen weiteren Artikeln bekannter Hersteller werden Hinweise zur richtigen Trennung der Produkte gegeben. So wird auf zahlreichen Joghurtbechern ein zusätzliches Papieretikett angebracht, dass vor dem Wegwerfen zwingend vom eigentlichen Produkt getrennt werden muss. Der entsprechende Hinweis ist auf dem Produkt vermerkt.

Die Forderung:

Entsorgungshinweise werden derzeit auf freiwilliger Basis seitens vorbildlicher Hersteller integriert und helfen VerbraucherInnen dabei, die Verpackung korrekt zu entsorgen. Für eine sofortige Verbesserung der Recyclingquote sollte JEDE Lebensmittelverpackung mit hilfreichen Trennungshinweisen versehen werden! Und genau das ist unsere Forderung, denn diese Verpackungstrennhinweise können sofort und ohne große Investitionen aufgedruckt werden und umweltbewussten Verbrauchern beim korrekten Trennen und Entsorgen helfen! Im Idealfall besitzt jede Verpackung und jedes Produkt einmal solche Wertstofftrennhinweise, aber dafür müssten die Recyclinganlangen einheitlich funktionieren. Wer zum Beispiel eine Zahnbürste in die gelbe Tonne wirft, hat nachgedacht, sich aber ggf. falsch entschieden. Denn die gelbe Tonne oder der gelbe Sack sind in manchen Bundesländern ausschließlich für Verpackungsmüll bestimmt, nicht für Plastikmüll aller Art. So, darf eine übliche Zahnbürste beispielsweise in Leipzig in die gelbe Tonnein Bayreuth muss sie jedoch in die Restmülltonne.

4. Zukünftige Wege für ein besseres Recycling

Schlecht recycelbare Plastiktypen überwiegen bei der Verpackungsproduktion. Deutliche Trennhinweise auf ALLEN Verpackungen könnten zwar die Recyclingquote verbessern, diese Maßnahme löst aber nicht den Kern des Problems.

Die Verschwendung von Ressourcen muss den Verbraucher*innen bewusst gemacht werden. Die Kaufentscheidung sollte nicht nur anhand des Preises, sondern auch anhand des ökologischen Mehrwerts getroffen werden. Abfallvermeidung steht an erster Stelle!

Die Recycling-Ampel ist keine neue Erfindung. Das Bild zeigt eine Broschüre der Stadtreinigung Hamburg.

Verpackungsampel Stadt Kassel

Der Wunsch einer Recycling-Ampel in Kombination mit Trenn- und Entsorgungshinweisen auf allen Verpackungen und Produkten soll den Verbraucher*innen im Einzelhandel einen einfachen, visuellen Anreiz geben, um eine nachhaltige, recyclingfreundliche Kaufentscheidung zu treffen.

Anhand von mehreren Faktoren soll ein Ampelaufdruck auf der Verpackung verdeutlichen, wie gut recycelbar das Produkt ist. Unter anderem sollte etwa bewertet werden, wie leicht oder schwer es ist, die Verpackung auseinander zu nehmen. Es soll mit rot eine schlechte, mit gelb eine mittlere und mit grün eine sehr gute Recyclingfähigkeit angezeigt werden. 

Verbraucher*innen, die sich für Nachhaltigkeit und Recycling interessieren, werden sich eher für den Kauf eines Produktes mit grün leuchtender Recycling-Ampel entscheiden. Dahingegen werden Produkte mit rotem Warnsignal eher gemieden. So wird Druck auf die Unternehmen ausgeübt, eine rote Klassifizierung zu vermeiden und besser recycelbare Verpackungen zu entwerfen. Die bis dato freiwilligen Vorkehrungen für mehr nachhaltige Verpackungen sollen über diese Vorgabe weiter und besser gefördert werden.

Ein weiteres Konzept, das wir unterstützenswert finden, ist die erstmals 2013 auf den Weg gebrachte Wertstofftonne. Anstatt, dass der Verbraucher zwischen Verpackungs- und anderem Plastikabfall unterscheiden muss, sind nur noch die Materialien zu trennen. Papier in die Papiertonne, Glas in den Container und Kunststoff und Metall in die Wertstofftonne. Nach Rechnungen von Nabu könnten so etwa 700.000 Tonnen CO2 jährlich gespart werden. 2016 verschwand die Wertstofftonne leider aus dem Entwurf der Bundesregierung für ein neues Wertstoffgesetz.

2022 könnte es allerdings eine neue Chance für das Konzept geben, denn in diesem Jahr soll das Verpackungsgesetz der Bundesregierung erneut überarbeitet werden.

Natürlich ändert auch die Wertstofftonne nichts daran, dass Aufklärung der erste Schritt zu besserem Recycling ist. Auch mit einem einfacheren Weg der Mülltrennung für die Verbraucher*innen bleiben Entsorgungshinweise unverzichtbar, solange die Recyclinganlagen eben nur SORTENREINES Plastik recyclen können, d.h. jedes Material muss separat sein!

Ein Wunsch:

Einführung einer verpflichtenden Recycling-Ampel auf jeder Verpackung, welche die Recyclingfähigkeit des Produktes anzeigt. Dafür braucht es allerdings viel politischen Willen, da es unter anderem eine Instanz geben müsste, die die Einschätzungen durch besagte Ampel abnimmt und definiert. Doch auch dieser Wunsch kann nur als erster Schritt in eine Kreislaufwirtschaft angesehen werden. Die Forderungen der Deutschen Umwelthilfe wie auch von Greenpeace gehen da viel weiter.

Vorbildliche Firmen & Partner, die inspirieren

setzt auf Recyclat bei ihren Verpackungen

Budgetansatz und LCA-Wirkungsabschätzungsmethodik

verpackt cleverer und gibt selbst da Trennungshinweise

100% kompostierbare Verpackungen sind eine Teillösung

druckt Hinweise u.a. auf Milchverpackungen der Eigenmarke

Fazit: Mehr Aufklärung und Transparenz für effizienteres Recycling

Wenn neue Regelungen eingeführt werden, müssen Verbraucher*innen allumfassende Informationen erhalten. Der Grüne Punkt von 1990 hat Verbraucher*innen gelehrt, dass die Trennung von Leichtverpackungen essentiell ist. Dass durch bessere Recycling- und Sortierprozesse heute weitaus mehr Plastikbestandteile recycelt werden können, muss mehr Verbraucher*innen näher gebracht werden. Oder wussten Sie, dass bspw. schwarzes Plastik überhaupt nicht recycelt werden kann?

Verpflichtende Entsorgungshinweise sollen Verbraucher*innen bei der richtigen Sortierung der einzelnen Komponenten helfen, damit Fehlwürfe bei der Mülltrennung minimiert und die Recyclingquote gesteigert werden kann. Unsere weiterführende Forderung nach einer Recycling-Ampel ist dabei der richtige Ansatz, um eine aktive Aufklärung der Bürger*innen anzuregen. Eine generelle Einheitlichkeit bei Recyclinganlagen- und methoden sowie mehr staatliche Kontrolle in Bezug auf diese sind eine weitere Notwendigkeit, will man das Recycling in Deutschland optimieren. Meiner Meinung nach sollte es außerdem auch effektivere Anreize geben, damit Verbraucher*innen korrekt entsorgen. Möge die schwarze Tonne so selten wie möglich befüllt werden.

„Lasst uns das Recycling JETZT verbessern!“ - Dirk Ehrlich

Von der Idee zur Umsetzung

Tagtäglich erzeugen wir Unmengen an Müll, da viele Verpackungen dafür konzipiert sind, nach einmaliger Verwendung umgehend entsorgt zu werden. Die Folge: Wir ertrinken in Müll, unsere CO2 Bilanz steigt und wir schädigen immens und unwiederbringlich unsere Umwelt. Da Verpackungen heute aus vielen verschiedenen Stoffen bestehen, müssen wir beim Thema Mülltrennung umdenken. Eine effektive Kreislaufwirtschaft ist für mich das oberste Ziel, aber auf dem Weg dorthin brauchen wir eine Lösung, die JETZT umgehend hilft und für die Industrie praktikabel ist. Nach einem Jahr umfangreicher Recherchen fordern das Team und ich die deutsche Politik dazu auf, Informationen zur Trennung der einzelnen Bestandteile in Form von Entsorgungshinweisen auf ALLEN Verpackungen gesetzlich verbindlich zu machen.

Klare Erklärungen auf jeder Verpackung können Firmen ohne großen Aufwand und Kosten aufdrucken. Sie sind eine wirksame Maßnahme, um den Bürger*innen das korrekte Trennen recycelbarer Einzelbestandteile näher zu bringen und Fehlwürfe bei der Mülltrennung zu minimieren. Für höhere Recyclingquoten muss daher künftig jede Verpackung von Lebensmitteln, Drogerieartikeln etc. entsprechende Entsorgungshinweise tragen.

Ebenso sollte gesetzlich geregelt werden, dass künftig nur noch Materialien verwendet werden dürfen, die auch wirklich gut zu recyceln sind und dies könnte eine Recycling-Ampel vorantreiben.

Braucht es bessere Sortier- und Recyclinganlagen oder sind Enzyme die Lösung?

Natürlich hat auch die Wissenschaft mitbekommen, dass es ein Plastikproblem gibt und arbeitet an Lösungen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Nutzung bestimmter Enzyme für den Recyclingprozess.

Britische und amerikanische Forscher haben zwei Enzyme kombiniert und daraus eine Art „Super-Enzym“ entworfen, welches PET-Kunststoff bis zu 20 mal schneller zerlegt. Der Enzym-Cocktail wurde aus dem Enzym PETase, welches die Oberfläche von PET angreift, und MHETase, welches den Kunststoff weiter zerkleinert, fusioniert.

Damit kann PET-Kunststoff sehr viel schneller verdaut und in seine ursprünglichen Bauteile zerlegt werden. Daraus können dann wieder hochwertige Kunststoffprodukte hergestellt werden, sodass Plastik nicht erst wieder neu produziert werden muss, sondern alte PET-Produkte beliebig oft wiederverwendet werden können – das ist ressourcen- und umweltschonend. 

enzym-plastik-abbau

Die Zukunft

Wie es richtig laufen kann, zeigt San Francisco auf dem Weg zur Zero Waste Stadt. San Francisco ist das grüne Vorbild beim Thema
Recycling im Land mit der größten Müllproduktion der Welt, den USA.    

  • aktuell werden circa 90% des Mülls in der Stadt recycelt
  • Recycling-System: Drei Tonnen
    1. Grüne Tonne für Kompost
    2. Blaue Tonne für recycelbare Materialien wie Papier, Glas und Kunststoff
    3. Schwarze Tonne für Restmüll (soll in Zukunft ganz verschwinden)
  • falsches Recyceln ist strafbar
  • für das Benutzen der Grünen und Blauen Tonnen gibt es Rabatte
  • hochmoderne Müllsortieranlagen können den Abfall der Blauen Tonne präzise trennen und in weiteren Schritten recyceln
  • auf Müllverbrennung wird bewusst verzichtet
  • Unternehmen werden in die Pflicht genommen, Plastik- und Styroporverpackungen verboten und es gibt strenge Recycling-Auflagen für die Bau- und Immobilienbranche
  • Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit v.a. in Schulen

Wir wünschen uns mehr Aufklärungsarbeit wie in San Francisco, um die Bürger über richtiges Mülltrennen besser zu informieren. Deswegen sind Trenn- und  Entsorgungshinweise auf Verpackungen und perspektivisch eine Recycling-Ampel die ersten Schritte für ein effizienteres Recycling, denn wie soll perspektivisch eine Kreislaufwirtschaft entstehen, wenn noch nicht einmal das Recycling funktioniert.

san-francisco-recycling