Plastikmüll besser recyceln: Mit Entsorgungshinweisen!

Bild Tetrapack getrennt entsorgen

Entsorgungshinweise auf jeder Verpackung! Politische Forderungen für effizienteres Recycling

So gut wie alle BürgerInnen in Deutschland kennen die Mülltrennung. Laut offiziellen Statistiken ist Deutschland einer der Vorreiter in Sachen Recycling. Aber stimmt das auch? Ein ganz klares nein! Das Verbrennen und Exportieren von Müll wird ebenfalls als „verwertet“ in die Statistiken dazugezählt. Mit echtem Recycling hat das nicht viel zu tun. Ein Grund dafür ist, dass Verpackungen aus einem Materialmix nicht recycelt werden können! Klare Entsorgungshinweise auf jeder Verpackung und perspektivisch eine Recyclingampel wären hingegen wirksame Maßnahmen, um den BürgerInnen das korrekte Trennen näher zu bringen, Fehlwürfe bei der Mülltrennung zu minimieren und die Recyclingquote zu erhöhen.

1. Grüner Punkt benötigt Update

Der Grüne Punkt, der die Trennung von Leichtverpackungen in die Köpfe der Menschen gebracht hat, braucht dringend ein Update.

2. Mehr Aufklärungsarbeit

Es muss mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. VerbraucherInnen müssen eindeutig wissen, wie Verpackungen des 21. Jahrhunderts richtig getrennt werden.

3. Verpflichtende Entsorgungshinweise

Entsorgungshinweise sollten sich auf jeder Verpackung befinden, denn Materialienmixe können verklebt nicht recycelt werden!

4. Die Recycling Ampel

Eine Ampel auf allen Verpackungen, die anzeigt, wie aufwendig der Recycling-Prozess ist. Das Verbot von Einwegplastik ist nur ein Tropfen auf dem heißen, vermüllten Stein.

Fakten zur Recyclingquote

In der letzten Erhebung fielen in Deutschland 6,15 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Davon waren 5,20 Millionen Tonnen Post-Consumer Abfälle, das heißt Abfälle, die bei VerbraucherInnen anfallen. Rund 39 Prozent der Post-Consumer Abfälle werden werk- und rohstofflich verwertet und gelten damit als offiziell recycelt. Diese Zahlen bestätigt zwar auch das Umweltbundesamt (UBA), leider sind sie aber irreführend, da auch die energetische Verwendung als rohstoffliche Verwertung gezählt wird. Das umweltschädliche Verbrennen von Kunststoff wirkt sich demnach fälschlicher Weise positiv auf die angeblich so gute Recyclingquote aus.

Als offiziell recycelt gelten alle Kunststoffabfälle, die an Recyclingunternehmen geliefert werden. Es gibt allerdings keine Sicherheit, dass der Plastikabfall tatsächlich recycelt wird. So gelten auch in das Ausland exportierte Kunststoffabfälle als offiziell recycelt. Eine echte Kreislaufwirtschaft existiert in Deutschland also nicht. Die Gründe für die niedrige Recyclingquote sind vielfältig, wie in der rechten Grafik zu sehen ist.

Die tatsächliche Recyclingquote für Post-Consumer Kunststoffabfälle wird laut Plastikatlas der Heinrich Böll Stiftung auf lediglich 15,6 Prozent geschätzt. 2018 stieg die Anzahl des Verpackungsabfalls um 0,7 Prozent zum Vorjahr und erreichte einen neuen Höchststand.

Darüber hinaus zeigen aktuelle Studien, dass die Deutschen beim korrekten Recycling deutlichen Nachholbedarf haben: In einer repräsentativen Umfrage gaben ca. 67,2 Prozent an, dass sie ihren Hausmüll korrekt trennen würden. Das macht eine Quote von 32,8 Prozent, die ihren Hausmüll nicht korrekt trennen! In den Sortieranlagen für die Gelbe Tonne wird knapp ein Drittel des Mülls als Fehlwurf deklariert. Das bedeutet, dass Müll in die falsche Tonne einsortiert wird, was ein effizientes Recycling enorm erschwert und die Recyclingquote verringert.

Deutschland ist auch beim Export von Müll ganz vorn dabei. Ja, auch unser Müll landet im Meer! Auch darum muss Deutschland auf politischer Ebene aktiv werden. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung währen die von uns vorgeschlagenen, gesetzlich verbindlichen Entsorgungshinweise auf Verpackungen jeglicher Art.

Nebenbei: Öffentliche Mülltonnen sind eine Recyclingsünde. Der Inhalt wird wie bei der Schwarzen Tonne, ohne recycelt zu werden, deponiert.

Eigenheimbesitzer haben ebenfalls ein finanzielles nachsehen, wenn auf die Schwarze Tonne verzichtet wird: Die Schwarze Tonne MUSS meistens sowieso bezahlt werden. Somit ist klar, dass Hausbesitzer die Schwarze Tonne eher befüllen, als alle Bestandteile zu recyceln.

recycling quote

Exkurs: Warum ist Plastik so schlecht für die Umwelt?

Seit 1907 erleichtert uns der Kunststoff das alltägliche Leben. Doch er ist nur schwer und sehr langsam abbaubar und gelangt in großen Mengen in die Umwelt, wo er Schäden anrichtet. Besonders die Meere leiden unter der hohen Verschmutzung von Plastiktüten und anderen Kunststoffabfällen. Meeresbewohner verwechseln Plastikteile mit Nahrung und verschlucken diese. Neben der Verunreinigung der Umwelt hat die Plastikindustrie auch einen bedeutenden Beitrag zum Anstieg der Treibhausgase geliefert. Darüber hinaus legen Studien nahe, dass Plastik gesundheitsgefährdend ist. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein und den Hormonspiegel zu beeinflussen. Es kann zu Unfruchtbarkeit, Fettleibigkeit, Diabetes und weiteren Erkrankungen führen. Heutzutage ist Mikroplastik (kleinste Plastikteile) überall auf unserem Planeten zu finden. Es wurde in den Tiefen der Meere entdeckt, in Nationalparks und sogar im menschlichen Körper – und das kann nicht gesund sein!
Verschmutzung durch Plastik

1. Update Grüner Punkt: Entsorgungshinweise nicht mehr aktuell

Eingeführt 1990 hat der Grüne Punkt dazu beigetragen, dass die Gelbe Tonne sowie das Recycling von Plastik in den Alltag eingekehrt ist. 

Der Grüne Punkt wurde durch viele Werbekampagnen beworben. Folgendes Video zeigt, wie es eigentlich sein sollte. Weiter unten sehen Sie dann, wie es in Wirklichkeit aussieht.

Aufgedruckt wurde der Grüne Punkt auf Verpackungen, wenn der Hersteller am dualen Recyclingsystem teilgenommen und für die Verpackungsverwertung und –sammlung vorab Zahlungen geleistet hat.

Das Problem:

Produkte bestehen heute aus verschiedensten Kunststoffverbindungen, die unterschiedlich recycelt werden müssen. Bereits seit 2009 wird das Zeichen nicht mehr auf allen Produkten abgebildet. Die Verwendung sorgt heute für viel Verwirrung, weil der Grüne Punkt keine zeitgemäßen Recyclingvorschriften vorgibt.
Der Grüne Punkt, der die Trennung von Leichtverpackungen in die Köpfe der Menschen gebracht hat, braucht dringend ein Update.

2. Leichtverpackungen aus verschiedenen Materialien: Trennung der Produktbestandteile häufig unbekannt

Entscheidend für das Recycling ist das Material des Produktes. VerpackungstechnikerInnen setzen auf die Kombination von unterschiedlichen Plastikarten oder ersetzen Plastik mit anderen Rohstoffen wie Papier, um ein besseres Recycling zu erreichen.

In Deutschland wird zwischen 7 verschiedenen Recyclingcodes unterschieden, wie wir bereits in einem weiterführenden Artikel über Plastikmüll berichtet haben. Je nach Material kann das Produkt entweder sehr gut (PET-1) oder sehr schlecht (O-7) recycelt werden. Auf jeden Fall müssen die von der Industrie verwendeten Materialien vorab von einander getrennt werden. Auf das Problem der verschiedenen Verpackungsmaterialien wird im Video ab Minute 3:30 eingegangen:

Die Wirklichkeit im Recyclinghof

Wenn nun der Deckel des einen Produktes aus einem anderen Material als die Hauptverpackung hergestellt ist, kann ein eigentlich gut zu recycelndes Plastik wegen des anderen Materials nicht wiederverwertet werden. Die Trennung einzelner Verpackungsbestandteile ist unabdingbar geworden und muss denemtsprechend kommuniziert werden. 

Lösung des Problems:

Visuell sind die unterschiedlichen Plastikcodes manchmal besser, manchmal schwieriger auseinanderzuhalten. Die Trennung der einzelnen Bestandteile einfacher Verpackungen, wie Deckel und Hauptverpackung, ist fast gänzlich unbekannt. Die zusätzliche Verwendung von Verpackungen, die durch andere Stoffe ummantelt sind, erweitert die Verantwortung beim Sortierungsprozess. Die VerbraucherInnen müssen in vielen Fällen Papier von Plastik trennen oder bewusst die unterschiedlichen Verpackungsbestandteile voneinander entfernen, damit ein vollständiges Recycling möglich ist.

Es muss mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. VerbraucherInnen müssen eindeutig wissen, wie Verpackungen des 21. Jahrhunderts richtig getrennt werden.

3. Sofortige Lösung für mehr Recycling: Verpflichtende Entsorgungshinweise auf alle Verpackungen!

Da die Komplexität der Verpackungen weiter zunehmen wird, Verbundstoffe verschiedenster Art zum Einsatz kommen und es zu viele Produkte gibt, die eine ungenaue Vorschrift wie den Grünen Punkt zulassen, ist es notwendig, dass die VerbraucherInnen korrekt und transparent über das Recycling jedes Bestandteils eines Artikels informiert sind. So kann die Quote der Fehlwürfe bei der Mülltrennung minimiert und die Recyclingquote erhöht werden. Die entsprechenden Recyclingcodes werden bereits auf Verpackungen abgedruckt. VerbraucherInnen können mit diesem Hinweis aber nur wenig anfangen, da unzureichend über die Trennung einzelner Bestandteile informiert wird. Das Verpackungsgesetz sieht für 2022 eine Erhöhung der Recyclingquote von Kunststoffverpackungen auf 63% vor. Aldi oder Edeka nehmen diese Forderung ernst und sehen Entsorgungshinweise auf den Verpackungen als eine gute Methode, um die Recyclingquote zu erhöhen. Beide Unternehmen drucken bereits seit einiger Zeit unter dem Label „Trennen für die Umwelt“ Entsorgungshinweise auf die Produkte ihrer Eigenmarken.
Entsorgungshinweise Veranschaulichung
Entsorgungshinweise auf verschiedenen Verpackungen. Links eine Süßigkeitenverpackung. In der Mitte ein Milchkarton. Rechts ein Joghurtbecher.

Nicht nur diese freiwilligen Initiativen zeigen, dass es eine Notwendigkeit für eine Entsorgungshinweispflicht gibt: Auf vielen weiteren Artikeln bekannter Hersteller werden Hinweise zur richtigen Trennung der Produkte gegeben. So wird auf zahlreichen Joghurtbechern ein zusätzliches Papieretikett angebracht, dass vor dem Wegwerfen zwingend vom eigentlichen Produkt getrennt werden muss. Der entsprechende Hinweis ist auf dem Produkt vermerkt.

Die politische Forderung:

Entsorgungshinweise werden derzeit auf freiwilliger Basis seitens vorbildlicher Hersteller integriert und helfen VerbraucherInnen dabei, die Verpackung korrekt zu entsorgen. Für eine sofortige Verbesserung der Recyclingquote sollte JEDE Lebensmittelverpackung mit hilfreichen Trennungshinweisen versehen werden! Und genau das ist unsere Forderung, denn diese Verpackungstrennhinweise können sofort und ohne große Investitionen aufgedruckt werden und umweltbewussten Verbrauchern beim korrekten Trennen und Entsorgen helfen! Im Idealfall besitzt jede Verpackung und jedes Produkt einmal solche Wertstofftrennhinweise, aber dafür müssten die Recyclinganlangen einheitlich funktionieren. Wer zum Beispiel eine Zahnbürste in die gelbe Tonne wirft, hat nachgedacht, sich aber ggf. falsch entschieden. Denn die gelbe Tonne oder der gelbe Sack sind in manchen Bundesländern ausschließlich für Verpackungsmüll bestimmt, nicht für Plastikmüll aller Art. So, darf eine übliche Zahnbürste beispielsweise in Leipzig in die gelbe Tonne, in Bayreuth muss sie jedoch in die Restmülltonne.

4. Zukünftige Wege für ein besseres Recycling

Schlecht recycelbare Plastiktypen überwiegen bei der Verpackungsproduktion. Deutliche Entsorgungshinweise könnten zwar die Recyclingquote verbessern, diese Maßnahme löst aber nicht den Kern des Problems.

Die Verschwendung von Ressourcen muss den VerbraucherInnen bewusst gemacht werden. Die Kaufentscheidung sollte nicht nur anhand des Preises, sondern auch anhand des ökologischen Mehrwerts getroffen werden.

Verpackungsampel Stadt Kassel
Die Recyclingampel ist keine neue Erfindung.
Das Bild zeigt eine Broschüre der Stadtreinigung Kassel.

Unsere politische Forderung einer Recyclingampel auf der Verpackung soll den VerbraucherInnen im Einzelhandel einen einfachen, visuellen Anreiz geben, um eine nachhaltige, recyclingfreundliche Kaufentscheidung zu treffen.

Anhand von mehreren Faktoren soll ein Ampelaufdruck auf der Verpackung verdeutlichen, wie gut recycelbar das Produkt ist. Es soll mit rot eine schlechte, mit gelb eine mittlere und mit grün eine sehr gute Recyclingfähigkeit angezeigt werden.

VerbraucherInnen, die sich für Nachhaltigkeit und Recycling interessieren, werden sich eher für den Kauf eines Produktes mit grüner Recyclingampel entscheiden. Dahingegen werden Produkte mit rotem Warnsignal eher gemieden. So wird Druck auf die Unternehmen ausgeübt, sodass eine rote Klassifizierung vermieden wird und besser recycelbare Verpackungen entworfen werden. Die bis dato freiwilligen Vorkehrungen für mehr nachhaltige Verpackungen sollen über diese Vorgabe weiter und besser gefördert werden.

Wunsch:

Einführung einer verpflichtenden Recyclingampel auf jeder Verpackung, welche die Recyclingfähigkeit des Produktes anzeigt. Dafür braucht es allerdings viel politischen Willen, da es unter anderem eine Instanz geben müsste, die die Einschätzungen durch besagte Ampel abnimmt und definiert. Doch auch dieser Wunsch, kann nur als ersten Schritt in eine Kreislaufwirtschaft angesehen werden. Die Forderungen der Deutschen Umwelthilfe wie auch von Greenpeace gehen da viel weiter.

Fazit: Mehr Aufklärung und Transparenz für effizienteres Recycling

Wenn neue Regelungen eingeführt werden, müssen VerbraucherInnen allumfassende Informationen erhalten. Der Grüne Punkt von 1990 hat VerbraucherInnen gelehrt, dass die Trennung von Leichtverpackungen essentiell ist. Dass durch bessere Recycling- und Sortierprozesse heute weitaus mehr Plastikbestandteile recycelt werden können, muss mehr VerbraucherInnen näher gebracht werden.

Verpflichtende Entsorgungshinweise sollen VerbraucherInnen bei der richtigen Sortierung der einzelnen Komponenten helfen, damit Fehlwürfe bei der Mülltrennung minimiert und die Recyclingquote gesteigert werden kann. Unsere weiterführende Forderung nach einer Recyclingampel ist dabei der richtige Ansatz, um eine aktive Aufklärung der BürgerInnen anzuregen. Eine generelle Einheitlichkeit bei Recyclinganlagen- und Methoden sowie mehr staatliche Kontrolle in Bezug auf diese sind eine weitere Notwendigkeit, will man das Recycling in Deutschland optimieren.

Von der Idee zur Umsetzung

Tagtäglich erzeugen wir Unmengen an Plastikmüll. Alles ist in Plastik eingepackt und wird nach einmaliger Verwendung wieder entsorgt. Die Folge: Wir ertrinken im Müll, unsere CO2 Bilanz steigt und wir schädigen unsere Umwelt. Da Verpackungen heute aus vielen verschiedenen Stoffen bestehen, müssen wir beim Thema Mülltrennung umdenken. Nach einem Jahr umfangreicher Recherchen fordern mein Team und ich verbindliche Informationen zur Trennung der Bestandteile in Form von Entsorgungshinweisen.
Urheber der Forderung Dirk Ehrlich

Die Zukunft

Wie es richtig laufen kann zeigt San Francisco – auf dem Weg zur Zero Waste Stadt. San Francisco ist das grüne Vorbild beim Thema
Recycling im Land mit der größten Müllproduktion der Welt, den USA.    

san-francisco-zero-waste
  • Aktuell werden circa 90% des Mülls in der Stadt recycelt
  • Recycling-System: Drei Tonnen
    1. Grüne Tonne für Kompost
    2. Blaue Tonne für recycelbare Materialien wie Papier, Glas und Kunststoff
    3. Schwarze Tonne für Restmüll (soll in Zukunft ganz verschwinden)
  • Auf falsches Recyclen stehen Strafen
  • für das Benutzen der Grünen und Blauen Tonnen gibt es Rabatte
  • hochmoderne Müllsortieranlagen können den Abfall der Blauen Tonne präzise trennen und in          weiteren Schritten recyceln
  • Auf Müllverbrennungsanlagen wird bewusst verzichtet
  • Unternehmen werden in die Pflicht genommen, Plastik- und Styroporverpackungen verboten, strenge Recycling-Auflagen für die Bau- und Immobilienbranche
  • Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit v.a. in Schulen

Wir wünschen uns mehr Aufklärungsarbeit wie in San Francisco, um die Bürger über richtiges Mülltrennen besser zu informieren. Deswegen sind Entsorgungshinweise auf Verpackungen und eine Recyclingampel der erste Schritt für ein effizienteres Recycling in Deutschland.